Fliegen

Das Fliegen war schon immer ein Menschheitstraum. So fantasierten die Menschen bereits vor der Antike davon, sich wie die Vögel in die Lüfte zu erheben. Bis zur Industrialisierung gab es immer wieder Versuche, diesen Traum wahr werden zu lassen. So soll bereits im frühen Mittelalter (im Jahre 875) der andalusische Gelehrte Abbas Ibn Firnas einen Gleitflug vollzogen haben, genauso wie Eilmer von Malmesbury, dem dies angeblich um das Jahr 1000 gelang. Wohl am bekanntesten sind die Flugzeugentwürfe von Leonardo da Vinci. Zwar hätten sie in der Form nie fliegen können, aber der Ansatz war seiner Zeit weit voraus. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der „Schneider von Ulm“ mit seinem Flugversuch berühmt. Er stürzte zwar dabei ab, da die Windverhältnisse am Tag der Vorführung sehr ungünstig waren. Es steht allerdings fest, dass der von ihm konstruierte Gleiter funktionsfähig war. Die ersten Flugzeuge mit Maschinenantrieb kamen dann Ende des 19. beziehungsweise Anfang des 20. Jahrhunderts auf. In den Jahren 1882 und 1886 sind beispielsweise mehrere Flugversuche des Russen Alexander Moschaiski dokumentiert. Er nutze als Antrieb eine Dampfmaschine. Die brachte allerdings nicht genug Leistung, um seine Konstruktion mehr als ein paar Meter fliegen zu lassen. Die Brüder Wright gelten heute als die Konstrukteure und Piloten, die den ersten erfolgreichen Flugversuch mit einem motorisierten Flugzeug unternahmen. Das war am 17.12.1903. Und es war der Startschuss für eine rasante Entwicklung, die vom einfachen Propellerflugzeug zum Düsenjet führte.

War früher das Fliegen ein Privileg für die oberen Zehntausend, ist das Flugzeug heute ein Fortbewegungsmittel für die Massen. Vor allem dank sinkender Ticketpreise fliegen Menschen mal kurz nach London, um nachmittags dort einzukaufen oder sie machen einen Wochenendtrip nach Mallorca. Allerdings ist diese Entwicklung nicht nur positiv zu bewerten. So nahm und nimmt der Fluglärm zu und vor allem die CO2-Belastung der Umwelt. Eine Person verursacht beim Fliegen einen Kohlendioxid-Ausstoß von 380 Gramm pro Kilometer. Zum Vergleich: Bei der Fahrt mit einem Pkw sind es 150 Gramm pro Kilometer und bei der Fahrt mit der Bahn 40 Gramm pro Kilometer. Es gibt Ansätze, dass Passagiere beim Ticketkauf Klimaschutzprojekte unterstützen können, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu amortisieren.

Wie funktioniert das Fliegen?

Doch wie kann ein Flugzeug, das bis zu 300 Tonnen wiegt, einfach so in die Luft abheben? Die Lösung des Rätsels liegt in der Aerodynamik, was übersetzt in etwa „Luftkraft“ bedeutet. Sie ist ein Teilgebiet der Strömungslehre und erklärt, wie ein Flugzeug abheben kann. Das Geheimnis ist die Form der Tragflächen. Strömt an diesen Luft vorbei, entsteht über dem Flügel ein Unterdruck und darunter ein Überdruck. Das Flugzeug wird damit quasi nach oben gesaugt und von unten nach oben gedrückt. Das führt dazu, dass es abheben kann. Die Masse des Flugzeugs ist hierbei unerheblich. Wichtig ist, dass die Geschwindigkeit stimmt, damit ein stetiger Luftstrom an den Flügeln anliegt und für die verschiedenen Drucke sorgt. Und diese Erfindung macht es dem Menschen möglich, den uralten Traum vom Fliegen zu verwirklichen.